JANUAR/DEZEMBER
BOMBSHELL ROCKS
The Conclusion CD
Combat Rock Industry
Die BOMBSHELL ROCKS haben nun nach ihrer MCD "Love For The Microphone" auch wieder eine Full-Length aufgenommen und ich muss schon mal sagen, dass mir diese ganzen nicht sonderlich loyalen Fans ziemlich auf die Nerven gehen, die der Gruppe in den Rücken gefallen sind, als Sänger Mårten seinen Ausstieg bekannt gab. Fand ich ziemlich schwach plötzlich zu sagen, dass die Luft raus sei, denn das Gegenteil ist der Fall! Jedenfalls bin ich der Meinung, dass "The Conclusion" Hit an Hit reiht und auch grandiose Melodien zu bieten hat. Natürlich sind BOMBSHELL ROCKS melodisch, aber das waren sie doch von Anfang an, oder etwa nicht? Auch textlich hat sich die Angelegenheit niedergeschlagen und so bekommen alle Zweifler in "Ten Years" den Mittelfinger von Crippe geboten und so ist es auch gut. Neu sind auch die Percussions die dem ganze Album einen world-music-appeal geben und generell ist man offener geworden. Wer hier nicht vor Begeisterung ausflippt, muss taub sein. So hymnisch waren die BOMBSHELL ROCKS selten und ich bin mir sicher, dass Songs wie "Roma 2005", "Guns And Democracy" noch sehr oft in meiner Anlage rotieren werden. Die Schweden sind zurück, überzeugt euch unbedingt selbst davon, dass die SHELLS auf "The Conclusion" in Höchstform sind. Thomas Eberhardt (8.5/10)
CHIKAN
Cops And Crooks In Your Head CD
Circle Around A Circle Records
Nachdem bei AMICAL der Haussegen gründlich schiefhängt, hat Petter Söderberg, der ehemalige Sänger der schwedischen Gruppe nun sein Soloprojekt CHIKAN an den Start gebracht. Aufgenommen hat das ganze David Lehnberg, ehemaliger Sänger von LEIAH und alleiniger Kopf von ARIEL KILL HIM. Die Masterminds sind also unter sich, aber Scherz beiseite, Petter hat mehr abgeliefert, als ein dröges Singer-Songwriter-Album. "Cops And Crooks In Your Head" hat Pfiff, erinnert bisweilen an Connor Oberst und die BRIGHT EYES, macht aber auch Gebrauch von Samples wie Glocken und setzt künstliche Loops ein. Zwischendurch wird auch immer wieder das eine oder andere Indierock-Riff gestreut, so dass man eigentlich gar nicht das Gefühl hat einer einzigen Person zu lauschen und tatsächlich haben auch einige Leute Drums, Keyboards und Gitarren beigesteuert, aber alles unter Petters wachsamen Augen. Geschadet hat dies den elf Liedern auf gar keinen Fall, allein der Name Lehnberg wird wohl den einen oder anderen zum Kauf überreden können und ich bin wirklich froh, dass Söderberg sich das kraftvolle, positive Songwriting bewahrt hat, Miesepeter (wow, was für ein Wortspiel) gibt es schließlich schon genug. Das Fazit lautet gut bis sehr gut und wenn euch das schnuckelige Cover allein nicht überzeugen kann, dann seid euch gewiss, die Musik kann es auf jeden Fall. Thomas Eberhardt (8,5/10)
EMEMVOODOOPÖKA
Dort Jak Brus CD
Silver Rocket Records
Bei diesem Quartett aus der Tschechei hat mich schon das Layout angesprochen und jetzt, wo die vierzehn Songs des Albums in der Anlage ihre Runden drehen, wird mir klar, dass diese Band wirklich äußergewöhnlich ist. Obwohl die Gruppe aus der Nähe von Prag in ihrer Muttersprache singt, stellt diese Tatsache eigentlich kein Hindernis dar, sondern wirkt eher natürlich auf mich. Die Lieder sind unterschiedlich, aber tragen doch alle eine ähnliche Handschrift und auch jedes Mal ein Überraschungsmoment in sich. So klingt "Akéla" nach JOY DIVISON und "Hribi" mit seinem erneut im Vordergrund stehenden Keyboard nach den RENTALS. Bisweilen finden auch Postcore-Einflüsse ihren Weg in die Songs und so kann man krachige Momente hören, aber zugleich geniale und einzigartige Melodien genießen. Die beinahe 40 Minuten sind eine enorme Gradwanderung, so haben "Cajk" und "Východ" deutliche Züge von frühen MADRUGADA-Songs, da Sänger Bourek geheimnisvoll flüstert, während er von melancholischen Gitarren begleitet wird. Es ist schlichtweg gekonnt, wie die Band zwischen den verschiedenen Stimmungen hin und her pendelt und dabei immer Herr der Lage bleibt. Mit jedem erneuten Hören lernt man "Dort Jak Brus" mehr zu schätzen und ich bin mir sicher, dass ich das Album noch häufiger aus dem Regal nehmen werde. Ihr merkt es schon, ich kann gar nicht genug gutes über dieses Release sagen und lege euch den Erwerb wirklich ans Herzen, denn ihr bekommt hier ein Album, welches definitv einem Day After- oder Dischord-Release das Wasser reichen kann. Thomas Eberhardt (8.5/10)
END IS FOREVER
Modern Life Tragedy CD
www.endisforever.de
Wow, die Jungs und Mädels von END IS FOREVER aus Bückeburg machen für eine ungesignte Band wirklich einen äußerst professionellen Eindruck. Die Homepage sieht enorm schick aus, bietet alles, was man an Material von einer Band haben möchte und generell wirkt es eben gut, wenn man dann nicht nur repräsentiert, sondern auch wirklich im DIY-Verfahren arbeitet. Die acht Lieder von "Modern Life Tragedy" wurden oft als Metalcore umschrieben, was ich etwas zu kurz gegriffen finde, da die teils auf Deutsch, teils auf Englisch gesungenen Vocals auch oft an LOXIRAN erinnern. Zumindest, wenn Sebastian den Text eher spricht als keift. Auf der anderen Seite steht das brutale Shouting von Sängerin Janina, welches schon etwas nach WALLS OF JERICHO klingt. Besonders die Mid-Tempo-Passagen geben dem Album eine ganz eigene Note und so muss ich doch sagen, dass END IS FOREVER zum Glück nicht die x-te Metalcore-Band sind, sondern wesentlich mehr mitbringen als stumpfes Gebretter. Die Leads der Gitarren klingen erstklassig und haben mehr mit MORNING AGAIN gemein, als mit momentan aktuellen Veröffentlichungen, was durchaus erfrischend ist. Auch inhaltlich bietet das Quintett mehr als das, was sich momentan Metalcore schimpft. Zum Beispiel macht man sich Gedanken über Machtpositionen, die mit Uniformen verbunden sind, Krieg, viel persönliches und fordert generell Inhalte. Remember, Hardcore is more than music? Um objektiv zu bleiben muss ich aber noch ein kleines Manko ansprechen: Die Produktion könnte etwas druckvoller sein, dafür hat man sich bei der Verpackung aber alle Mühe gegeben und hinterlässt einen mehr als positiven Gesamteindruck. Thomas Eberhardt (7/10)
GOOD CLEAN FUN
Between Christian Rock And A Hard Place CD
Reflections Records
Mr Issa und GOOD CLEAN FUN sind zurück! Der Titel versprach eine Abrechnung mit christlichem Gedankengut im Hardcore und, Mr Issa sei Dank, findet diese auch statt. Allerdings auf die für GOOD CLEAN FUN-typische sehr humorvolle Art. Ansonsten zeigt sich die Band textlich wieder von ihrer besten Seite, vor allem "The Myspace Song", dessen Thematik ja klar sein dürfte und "...Except For All The Goths", bei dem die Gothics mal im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, machen unglaublich Spass. Diesmal gibt es sogar einen Singalong für die Leute, die nicht sxe sind, das nenne ich doch mal aufgeschlossen. Zurückblickend auf die letzten Alben, finde ich "Between Christian Rock And A Hard Place" mindestens ebenso gut wie "On The Streets" und "Straight Outta Hardcore". Es gab auch leichte Umbesetzungen. Issa, Aaron, Kelly, Danny und Justin sind jetzt in der Band, aber gerade die femininen Vocals bei "Punk Rock Love" sind eine erfreuliche Neuerung. Das GOOD CLEAN FUN eine Pflichtvorstellung für jeden Hardcore-Fan mit etwas Selbstironie sind, dürfte wohl klar sein. Während das Album in den Staaten erst am 24.01. erscheint, haben wir Europäer das Glück schon ab dem 10.01. die CD und eine LP mit abweichendem Artwork beziehen zu können. Wer mitreden will, muss eigentlich alle Veröffentlichungen dieser Band haben und mit ihrer humorvollen Art sind GOOD CLEAN FUN ja auch ein Unikat. Thomas Eberhardt (8.5/10)
ICEPICK
Goldrush CD
Not Just Words Records
Dem Metalcore etwas überdrüssig, versuche ich doch immer wieder andere interessante Gruppen ausfindig zu machen und ich muss schon sagen, es gibt in Europa eine ganze Menge zu entdecken. ICEPICK aus den Niederlanden zum Beispiel. Die Band macht Old-School-Hardcore, hat selbstkritische Texte und orientiert sich an den frühen Gruppen wie den CRO-MAGS, hat aber definitv auch einen MOUTHPIECE-Touch und so kombiniert man NY-Kante mit etwas langsameren Passagen, die einfach tonnenschwer anmuten. Die Texte sind konstruktiv, ohne belehrend zu klingen und wenn euch "Rise From The Ashes" von NO TURNING BACK schon zu metallisch war, dann müsst ihr bei diesem nostalgischen Album unbedingt zugreifen. "Dreamcatcher" bietet dann viele Gitarrensoli und eigentlich kann man ICEPICK attestieren, dass sie dem Old-School in diesen harten Zeiten alle Ehre machen. Schön ist auch das Layout geworden und wenn ihr dieses Goldstück auf Platte möchtet, dann könnt ihr das Release natürlich als Vinyl bei Not Just Words Records bestellen. Thomas Eberhardt (7/10)
INNOSENCE
S/t MCD
www.innosence.nl
Ich stelle mir wirklich die Frage, wieso sich für dieses Album kein Label gefunden hat. INNOSENCE aus den Niederlanden spielen nämlich extrem variablen Punkrock mit Old-School-Einflüssen, wobei besonders die Gitarrenriffs hervorstechen. Diese powervollen Leads mit leichter Melancholie erinnern sehr an "For God And Country" von GOOD RIDDANCE, in "Yesterday Becomes Tomorrow" sogar an BLACK TRAIN JACK. Die Singalongs sind überrraschend und es wird wirklich keine Sekunde langweilig, nein, man könnte sich wahrlich mehr als die fünf vorliegenden Lieder anhören. Der perfekte Soundtrack für eine sommerliche Skatesession, da werden Erinnerungen wach. Ohne Frage kann die INNOSENCE noch besser werden, aber das Songwriting kann auf gar keinen Fall mehr optimiert werden und darauf kommt es doch schließlich an, die Lieder müssen was taugen und die Niederländer haben wirklich ein Händchen für tolle Songs, Tempowechsel und viele Überraschungen. Seht euch die Gruppe am 1.April live in Moers an und macht euch selbst ein Bild. Ich schlage mehr Variabilität beim Schlagzeug vor und warte sehnlichst auf ein neues Album. Thomas Eberhardt (7/10)
I WALK THE LINE
Desolation Street CD
Combat Rock Industry
Einige werden die Band aus MANIFESTO JUKEBOX-, WASTED-, und HERO DISHONEST-Mitgliedern schon live gesehen haben oder ihr Debüt "Badlands" im Regal stehen haben, recht so. Für alle, die bisher ohne I WALK THE LINE leben mussten, sei gesagt, dass die Finnen herrlich rauen Punkrock mit dezenter Orgelunterstützung spielen. Die Vocals von Sänger Ville, der auch noch bei WASTED aktiv ist, gefallen dabei äußerst gut, weil seine Stimme eben sehr nach langen, durchzechten Nächten klingt und sowohl Sehnsucht, als auch Verlust in sich trägt. Während das Debüt sehr geradlinig war, hört man diesmal etwas mehr Experimente und "When I'm Gone" ist geradezu virtuos. Aber keine Angst, der Fünfer hat sich auch viele tolle Melodien einfallen lassen und erinnert noch immer etwas an THE CLASH. Die Lieder sind insgesamt variabler geworden, die Gitarren nehmen sich mal zurück, setzten dann aber wieder im richtigen Moment Akzente und so bringt jeder Song eine neue Facette der Band zu Tage, die man so bisher nicht kannte. Im März kann man die Band dann nochmal live in Deutschland sehen, vorher aber mit "Desolation Street" aufwärmen! Thomas Eberhardt (8/10)
L.MINYGWAL
Somn CD
Quamby Hill Records/Subtrace Records
L.MINYGWAL oder auch die Band mit den unaussprechbaren Namen, nennt sich das Trio, das seit 1993 zusammen Musik macht. Nach vielen Tape- und 7 Inch Veröffentlichungen ist dies die erste CD der drei Berliner. Sie nennen ihren Stil selbst "Ambient Noisecore" und erinnern sehr stark an MOGWAI. Auch bei L. MINYGWAL findet sich alles, von den ruhigsten Stellen, die einfach auf einen Basslauf minimiert sind, bis hin zu Kreischattacken der Sängerin Andrea, unterstützt von sehr Crust-lastigen Gitarren. Diesem experimentellen underground Stil bleiben sie auch treu und so fällt höchstens Mal der ein oder andere punkige Part aus der Reihe. Nicht schlecht das Ganze, aber doch wohl eher etwas für Liebhaber dieser Musik, fehlt L. MINYGWAL eben doch, im Vergleich zu MOGWAI z.B., das gewisse Etwas dass die Musik einzigartig macht. Sei es drum, Kultstatus können sie in ihrer Szene durchaus erlangen. Die CD erscheint mit 6 Tracks und einer Länge von etwa 40 Minuten auf Quamby Hill Records. Karsten Ostmann (6/10)
LYSSA
Amoral CD
Silver Rocket Records
Die tschechische Band LYSSA spielt düstere Rockmusik. Ihre Scheibe "Amoral" besteht aus 11 Songs, mit einer Länge von etwa 40 Minuten, die mich nicht gerade vom Hocker hauen. "Amoral" ist die dritte Veröffentlichung und kommt auf dem tschechischen Label "Silver Rocket". Ab und zu gibt's von den 3 Jungs, vor allem in den ruhigen melancholischen Momenten, schöne Melodien die ein klein wenig zum Träumen einladen. Dann im nächsten Augenblick verformt sich dieser Zustand jedoch wieder in den üblichen, treibenden NoiseRock gemixt mit etwas Industrial. In den besseren Momenten fühle ich mich an SONIC YOUTH erinnert, was jedoch eher selten der Fall ist. Die Texte sind komplett in tschechisch abgedruckt und gesungen und bieten mir deshalb keinen Interpretationsgehalt, da ich der Sprache leider nicht mächtig bin. Gesungen wird in einer Art Sprechgesang, der manchmal in Kreischpassagen ausartet, und perfekt zur Musik passt. Zusammenfassend klingt die Scheibe für mich monoton. Pluspunkt jedoch: LYSSA performen Musik fernab von jedem Trend. Karsten Ostmann
PIEBALD
Killa Bros and Killa Bees DVD + CD
SideOneDummy Records
PIEBALD sind so eine Band, auf deren Releases man sich immer schon im Voraus freut und wenn man damit überrascht wird, ist der Tag eigentlich gerettet. Die Gruppe hat super Alben aufgenommen und vor allem "All Eyes, All Ears, All The Time", der letzte Streich, gefiel enorm. Nun haben sich PIEBALD also auch an eine DVD gewagt und zum Glück gibt es nicht nur Live-Mitschnitte der Gruppe, sondern auch viel persönliches. So sieht man, wie die Jungs sich ihre Zeit so vertreiben, was sie privat machen und erhält auch Einblick in die verschiedenen Charaktere und das ist im Falle von PIEBALD äußerst amüsant. Ganz klasse ist auch der Mitschnitt einer Show, als PIEBALD noch nicht PIEBALD hießen und mit fetten Xen auf der Hand auftraten. Ja, sehr schön! PIEBALD sind eben eine besondere Band, denn wer ist denn gleichzeitig irgendwo Emo-Jazz-Blues und hat auf Hydra-Head veröffentlicht? Eben! Die B-Seiten CD, die ergänzend beiliegt, umfasst auch einige sehr schöne Lieder, auch wenn das hohe Niveau des Anfangs nicht ganz konstant gehalten wird. Vor allem "Part Of Your Body" ist ein unheimlicher Ohrwurm. 17 Lieder bietet diese CD insgesamt und somit hält einen das schön gestaltete Package lange beschäftigt und macht richtig Spass. Thomas Eberhardt (7/10)
RISE AND FALL
Into Oblivion CD
Reflections Records
Schon das Debüt "Hellmouth", auf dem inzwischen aufgelösten Label Join The Team Player erschienen, war klasse, aber "Into Oblivion", das neue Album der Belgier ist ja wirklich die reinste Abrissbirne geworden. Stellt euch einfach INTEGRITY zu "Humantiy Is The Devil"-Zeiten vor und multipliziert die Intensität mit drei und macht das Ganze noch etwas dreckiger, dann habt ihr in etwa ein Bild von "Into Oblivion". Wenn euch das nichts sagen sollte, dann könnt ihr euch alternativ dazu vorstellen an ein Auto gebunden über eine staubige Landstraße geschleift zu werden, das müsste die Sache in etwa treffen. Die Jungs nennen ihren Stil Punkmetal, für mich ist er Clevo-Aggro-Slow-Mo-Core, wobei natürlich nicht alles in Zeitlupe abläuft, sondern man auch vereinzelt das Tempo anzieht. Ich muss auch mal ganz ehrlich sagen, dass ich nicht mit einer derartigen Intensität gerechnet hätte, aber nun desto mehr beeindruckt bin. Experimente oder große Wagnisse solltet ihr jetzt aber nicht erwarten, das Album ist ein Höllenritt, der 30 Minuten ohne große Pausen durchgängig zeigt, dass RISE AND FALL alles in Schutt und Asche legen können. Das Layout stammt übrigens von Jacob Bannon, der diesem Hassbrocken das richtige Gewandt umgelegt hat. Der Mix wurde von Kurt Ballou übernommen und mit "Ruins" wird es dann am Ende des Albums etwas atmosphärischer, wobei man sicherlich noch Raum zur Weiterentwicklung in diese Richtung hat. Für den Moment bleiben RISE AND FALL aber ultrabrutal und verschieben die Experimente auf später. Einfach göttlich, oder besser gesagt, höllisch gut! Thomas Eberhardt (8.5/10)
RYE COALITION
Chariots On Fire MCD
Gern Blandsten
Den Namen RYE COALITION hat man natürlich schon des Öfteren in positivem Kontext gehört, aber leider bleibt es manchmal beim Hörensagen. Im Falle von RYE COALITION werde ich dieses Versäumnis aber schleunigst nachholen, das New Yorker Quintett und ich haben nämlich einen gemeinsamen Schwachpunkt, LED ZEP und BLACK SABBATH, kurz und gut, nostalgischen Rock. Die Jungs kombinieren das noch mit einer gesunden Portion AC/DC, sowie KISS, vergessen dabei aber nicht die modernen Elemente und fertig sind vier Leider zum Niederknieen. Das Layout ist schön psychedelisch und der Gesang klingt bisweilen nach Ozzy persönlich. Produziert hat das Album Dave Grohl, der ja dafür bekannt ist eine Vorliebe für die Musik alter Herren zu haben und während ich mir schnell die Alben von RYE COALITION besorge, solltet ihr auf die Clubtour gehen und euch ein Konzert von RYE COALTION ansehen, bis 7. Februar sind sie nämlich noch in Europa unterwegs. Wenn die Welt gerecht ist, dann ist "Chariots On Fire" der Vorbote eines genialen Albums. Hoffen wir das Beste, meine Ohren erwarten es sehnlichst. Thomas Eberhardt (9/10)
SHATTERED REALM
From The Dead End Blocks Where Life Means Nothing CD
Selfmadegod Records
Alveran Records
Hier ist es nun endlich. SHATTERED REALM haben sich jetzt 2 Jahre den Arsch abgetourt, und liefern hier mit "From The Dead End Blocks Where Life Means Nothing" ihre dritte Full Length ab. Der Nachfolger zu "Broken Ties.. Spoken Lies" erscheint ebenfalls wieder auf Alveran Records, die den Trend sehr wohl erkannt haben. Genau wie die Band. Zu hören sind 11 Tracks mit einer Durchschnittslänge von 2 Minuten mit schönem bösen tough-guy Gesang, sehr old-school lastigen Gitarren und bösen angepissten Lyrics. Viel neues wird also nicht geboten, und bis auf den ein oder anderen feinen Mosh-Part (siehe "Endless") gibt's auch nichts außergewöhnlich tolles zu hören. Fans von HATEBREED, SHORTAGE und Konsorten wird das Teil jedoch gefallen, zu mal hier im Pit wieder der böse, starke Mann rausgehangen lassen werden kann, der allen "Emo's" wieder eins auf die Fresse gibt. So ist das Leben. Und indem man sich mit einer Bierflasche in der Hand auf ein Bandfoto stellt und böse kuckt, wird man auch nie herauskommen, aus den "Blocks wo das Leben nichts mehr bedeutet". Karsten Ostmann
(3/10)
THE SHOCKER
Up Your Ass Tray - The Full Length CD
Go Kart Records
Ehrlich gesagt hat es mich ziemlich überrascht, die neue Band von Jennifer Finch, ehemals L7, über Go Kart zu bekommen. Aber nach einigen Malen hören, machte das alles doch Sinn. Die Bassistin gründete THE SHOCKER bereits 2002 und inzwischen scheint der Fünfer mit zwei Damen eine gut funktionierende Einheit zu sein. Etwas seltsam finde ich den zweideutigen Humor der Band, aber Songs wie "My Life As A Plumber" gefallen mir dann doch. Allerdings muss man schon sagen, dass es eine ganze Weile gedauert hat, bis ich mich an diese sehr ausgefallene Mischung gewöhnt habe. Irgendwo ist das Album aber doch typisch für L.A. So hört man etwas Punk, ein wenig Glam und eben auch Rock N' Roll. Stellt euch einfach vor PETER PAN SPEEDROCK treffen in L.A. auf GUNS N' ROSES, oder besucht einfach www.shockersite.com und hört selbst ins das Album rein. Jedenfalls haben die zwei Frontfrauen mit THE SHOCKER eine sehr eigenwillige und interessante Band ins Leben gerufen. Thomas Eberhardt (7/10)
THE THIRD MEMORY
Et De Cela Rien Ne Ressort CD
Tears From Silence Records
Ein ganz vorzügliches Album ist "Et De Cela Rien Ne Ressort" der jungen französischen Band THE THIRD MEMORY aus Marseille. Ähnlich chaotisch wie PLAYING ENEMY, vertrackt und sehr temporeich kommen die elf Stücke daher und ich muss nochmal betonen wie sehr die französischen Bands unterschätzt werden, die können wirklich unheimlich viel. Da muss man wirklich mal eine Lanze für brechen. Den Stil von THE THIRD MEMORY könnte man als melodischen Screamo beschreiben, der gänzlich ohne Versatzstück auskommt, sondern allein von Gekeife und wirren Leads lebt. Natürlich dauert es etwas, bis man die Texte dechiffriert hat, aber ich denke, auch das kann einen gewissen Reiz haben und das Französische klingt doch unheimlich poetisch. Erschienen ist das gute Stück erst vor Kurzem und davor gab es eine Four-Way-Split mit PETETHEPIRATESQUID aus Deutschland, THEMA ELEVEN aus der Tschechei und den inzwischen aufgelösten DODEWAARD aus den Niederlanden. Vielleicht steht die ja auch schon bei einigen im Regal. Wer also berechtigter Weise noch Nachschlag möchte, halte sich bitte an das neue Album. Thomas Eberhardt (8.5/10)
TIME TO BURN
Starting Point MCD
Basement Apes Industries
Nach 2 selbst-veröffentlichten CD's höre ich hier "Starting Point", das Label - Debut auf Basement Apes Industries, der französischen Band TIME TO BURN. Die ersten 6 Tracks breschen gleich von Beginn an, in bester NEUROSIS und CULT OF LUNA Manier voran und scheinen die komplette Depression der Menschheit in sich zu vereinen. Mit tief gestimmten Gitarren, einer Schreistimme, sowie einem treibenden Schlagzeug und hämmernden Bass geht es auf die Hoffnung zu zerstören, oder eben das letzte bisschen Hoffnung wieder aufleben zu lassen. Vor allem der siebte und somit letzte Track "Alma", kommt druckvoll und wunderschön, mit einer einfachen aber wirkungsvollen Melodie, zugleich. Die Labelbeschreibung, die eine Symbiose aus Hardcore, Punk und Rock'n'Roll verspricht, trifft hier zum Glück in keinster Weise zu. TIME TO BURN spielen düsteren Rock/Hardcore der, wäre er etwas ausgereifter und kompromissloser, in einer Liga mit den Noise-Legenden BREACH spielen könnte. Aber was nicht ist kann ja noch werden. TIME TO BURN sind, im Gegensatz zum Klang ihrer Musik, definitiv keine Hoffnungslosen. Karsten Ostmann (7/10)
TRAKTOR
Lights CD
My Favourite Toy Records
Die drei Schweden aus Eskilstuna sind inzwischen vier und legen nach ihrer MCD nun das Debüt "Lights" vor. Verstärkung haben sie von dem sympatischen Georgios Kalafatidis, ehemals bei SOUND O.E., bekommen und die zusätzliche Gitarre gibt dem wirren Postcore der Gruppe noch mehr Druck. Apropos Druck, obwohl mit Carl Vikman ein erfahrener Producer, der schon für SWITCHBLADE die Regler schob am Pult saß, mutet der Sound doch recht höhenlastig an, ein paar Tiefen mehr hätten die dreizehn Lieder ausgefeilter klingen lassen. Irgendwie schade, dass die Produktion eher mittelmäßig klingt, denn die Lieder haben es in sich und zeigen, dass man auch weird sein kann, ohne ein Metalhead zu werden. Erstmals gibt es von TRAKTOR auch melodische Elemente in den Riffs zu hören, was dieses enorm nervenaufreibende Unternehmen über Albumlänge erst möglich macht. Am besten ihr seht euch TRAKTOR auf der ausgedehnten Tour im Februar an und überzeugt euch in der ersten Reihe von ihren musikalischen Qualitäten. Für Fans von SHELLAC, PLAYING ENEMY und den BLOOD BROTHERS ist "Lights" ein gefundenes Fressen und auch ansonsten kann ich dieses Album nur empfehlen, vorausgesetzt ihr bringt ein starkes Nervenkostüm mit. Thomas Eberhardt (7/10)
WHEN ILLUSIONS BURN
Demons MCD
Eigenproduktion
WHEN ILLUSIONS BURN legen mit ihrem 2005'er Demo "Demons" wohl das dickste Trash-Metalcore Brett des Jahres ab, dass von Anfang an keinen Zweifel lässt, wer hier das Sagen in Sachen Metal hat. "Nothing Will Be Left Of You" kreischt es da gleich beim Opener "Stab My Heart With Your Words", welcher in bester Trash-Manier beginnt und in einem Todes-Mosh endet. Track 2, "Burning Alive, Die With Them", startet wunderschön mit einer herzzerreißenden Melodie und avanciert nach öfteren Hören zum besten Song des Demos. Depressiv und mitreißend hier vor allem die gesprochene Zwischenpassage, welche mich musikalisch an CALIBAN erinnert. "Imagine What It Feels Like, When They Burn Your Family". "Banned Forever" (Track 3) wechselt vom wunderschön gespielten Intro plötzlich in TrashCore mit Black-Metal Anleihen und lässt meine Kinnlade nach unten fallen. Klasse. Das darauf folgende "Carving Up Dead Flesh" hingegen zeichnet sich durch das Riff des Jahres aus (Achtung Gänsehaut!). Bleibt noch "Demons From Inside", ein am Anfang solider Metalcore Track, der im Gitarreninferno endet. Wobei ich mir schon bildlich vorstelle wie die Band entkräftet, die Instrumente zu Boden fallend, die Bühne verlässt und die Hörer in tiefster Demut zurücklässt. "And I'll Swear You'll Fuckin' Die!" (WHEN ILLUSIONS BURN - Burning Alive, Die With Them) Karsten Ostmann (10/10)
WOJCZECH
Sedimente CD
Selfmadegod Records
Mit dem diesjährigen Werk "Sedimente" legen WOJCZECH ihre Prüfung im Fach Crust-Core ab. Und das mit der Note 1! Ich lege mein Haupt in Schande und Dreck, da ich zuvor noch nie etwas von dieser Kapelle gehört habe. Und das obwohl schon die ein oder andere Split CompactDisc oder Langspielplatte mit der ein oder anderen Kombo (unter anderem SARCASM und CUT YOUR HAIR), vorgewiesen wurde, neben der recht langen Discografie mit grandiosen Lied-Titeln wie "Superparadigma" , "Macht der Beseelten" oder "Letzter Ausgang Opferrolle". Auf die Ohren gibt es allerfeinsten Crust-Punk-Core, der manchmal mit einer Brise Chaos verfeinert ist und nicht nur unter die Haut, sondern auch ans Herz geht. Für die einen ist dies nur eine weitere Crust-Platte, doch für die anderen die kreativste Scheibe des Jahres. Nun, bleiben wir aber bei den Tatsachen. "Sedimente" ist tatsächlich recht gut gelungen, doch leider fehlt etwas die Eingängigkeit in den Songs um neue Zuhörer zu gewinnen, die mit Crust-Core sonst nichts anfangen können. Allerdings sollte der Platte eine Chance im Cd-Player gegeben werden, denn sie ist einfach zu gut dafür in der Masse der Veröffentlichungen unterzugehen.
Karsten Ostmann (8/10)
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