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MÖNSTER, LVMEN
9.06.06 Mülheim, AZ

Die frischgebackene Day After-Band MÖNSTER konnte ich mir mit ihrem crustigen Hardcore an diesem Abend natürlich nicht entgehen lassen. Vor dem Konzert saßen wir Draussen und als die Büsche raschelten und einige Ratten zum Vorschein kamen, stellte ich mir die Frage, weshalb so viele Leute vom AZ Hunde haben. Irgendwie wären Katzen doch sinnvoller, oder? Na ja, MÖNSTER-Sänger Jobst war in diesem Abend trotz ruiniertem Hals und reichlich Kamillentee bester Laune, anders kann ich mir sein Donald Duck-Shirt nicht erklären. Vielleicht war es auch ein Fuck Off in Richtung Modecore und das kann man nur unterstützen. Das Publikum war leider etwas reserviert an diesem Abend und so forderte man leicht sarkastisch einen Circle-Pit. MÖNSTER spielten professionell ihr Set, boten auch Songs vom neuen Album "Arms" und mit "State Control" auch eine geniale DISCHARGE-Coverversion und wenn das alles nichts hilft, muss eben die nächste Band ran. In diesem Falle LVMEN, die samt Leinwand und Projektor angereist waren und so dem Publikum akustische Ausflüge mit optischer Begleitung liefern konnten. War interessant, passte zu ihrer mächtigen, atmosphärischen Musik, war aber doch fast wie Fernsehen und mir gefällt ein echter Pit vor der Bühne doch deutlich besser als 40 Paralysierte. War trotzdem ein gewaltiger synästhetischer Eindruck, den die Tschechen da hinterlassen haben. Falls ihr mal die Gelegenheit habt, solltet ihr euch LVMEN keinesfalls entgehen lassen und mit MÖNSTER gab es an diesem Abend auch das passende Kontrastprogramm. Thomas Eberhardt

ENDSTAND, JUSTICE
19.05.06 Essen, Cafe Nova

Ein ziemlich starkes Line Up bot dieses Konzert im Cafe Nova in Essen und obwohl die angekündigten IRON BOOTS ihre Europatour kurzfristig abgesagt hatten, fanden sich doch recht viele Leute im Nova ein. Allerdings ist mir leider entgangen, dass bereits um 18:45 Uhr Showbeginn war, also kosteten uns die 90 Minuten Weg von Düsseldorf nach Essen leider RIOTBEATSHOT, SIRENS und auch noch den grössten Teil von TRUE COLORS. SIRENS durfte ich dann aber kürzlich im AK 47 bewundern und ihre Mixtur aus Old School-Hardcore mit gesprochenen Vocals, vereinzelt indisch klingenden Gitarrenmelodien und exzellentem Drumming ist wirklich was ganz eigenes und gefällt. In Essen wiederum waren um 21 Uhr dann JUSTICE an der Reihe, die ja recht hoch gehandelt werden und inzwischen bei Reflections unter Vertag sind. Die Band gefällt mir auch ganz gut, aber manche Songs dürften temporeicher sein. Insgesamt aber war im Publikum ganz gut was los und der JUSTICE-Hype hat schon irgendwo seine Berechtigung. SET TO EXPLODE aus den Staaten versuchten dann ziemlich vergeblich das Publikum zu animieren und obwohl sie recht intelligente Texte und eine kritische Einstellung haben, passierte wenig. Der Sänger vermutete eine Sprachbarriere und schien etwas gefrustet, dass die Resonanz für die Grave Mistake-Band sich so in Maßen hielt, aber das deutsche Publikum ist leider schwer zu knacken. In der Umbauphase habe ich mir das Sweatpants-Fanzine gekauft und da es eine leichte Verspätung bei einer Band gab, mussten REMAIN von Not Just Words Records ein zügiges Set spielen, aber in den 15 Minuten haben sie wirklich alle beeindruckt und auch einiges an Aktion vor der Bühne provozieren können. Sie haben die undankbare Rolle kurz vor ENDSTAND spielen zu müssen, als alle auf die Finnen warteten, wirklich gut gemeistert und bestimmt den einen oder anderen Fan dazu gewonnen. ENDSTAND haben dann ohne viele Worte ebenfalls ein beeindruckendes Set geliefert und Janne kam durch den Zeitdruck richtig außer Puste. Die neuen Lieder funktionieren live wunderbar und Tume, der neue Gitarrist bei ENDSTAND, fiel definitiv nur positiv auf. Ein sehr lohnender Abend obwohl es natürlich irgendwo eine Marathon-Veranstaltung war. Durch die gute Planung lief zwar alles super aber vielleicht wäre es ratsam nächstes Mal eine Band weniger spielen zu lassen?! Kann aber auch sein, dass ich zu neugierig bin und alles gehört haben muss. Thomas Eberhardt

SETTLE THE SCORE, TEAMKILLER, A CASE OF GRANADA, ADJUDGEMENT, RIOTBEATSHOT
04.11. Starclub im Schifferhaus, Mülheim

Da ich mich schon länger nicht mehr ins Getümmel gestürzt habe, war die Vorfreude auf ein richtiges Hardcore-Konzert recht gross und das Line-Up des Abends versprach so einiges. Nach RIOTBEATSHOT, die ich leider verpasst habe, übernahmen A CASE OF GRANADA die Bretter und ich muss doch sagen, dass die Band mit ihrem Screamo wirklich überzeugend war. Zwar zeigte das Publikum keinerlei Resonanz, aber man hat eben nicht überall ein Heimspiel, so dachte ich zumindest. Jedenfalls taten die Jungs ihr bestes und machten gute Miene zum bösen Spiel. Nach einer kurzen Pause kamen ADJUDGEMENT auf die Bühne, die extra den langen Weg aus Hannover angetreten hatten, um die Crowd zu rocken. Oder auch nicht, denn bis auf ein, zwei Leute blieb das Publikum passiv, trank lieber zwei, drei Bierchen und verweigerte nun auch konsequent den Applaus. So langsam begann mich diese Borniertheit anzukotzen, denn irgendwo ist es ein Armutszeugnis sich auf einem Konzert so passiv zu verhalten, für das sich der Veranstalter und zig Bands grosse Mühe gemacht haben. TEAMKILLER mussten, nach dem langen Weg aus Stuttgart, direkt aus dem Bus direkt auf die Bühne. Die Zuschauer waren wieder erstaunt, dass sich jemand sich die Mühe macht eine solche Strecke auf sich zu nehmen, also gab es nun wenigstens wieder wohlwollenden Applaus. Von weiterer Resonanz seitens des Publikums kein Anzeichen. Ich habe selten solche Spassbremsen gesehen, die zwar tolle Bilder mit ihren Handykameras gemacht haben, aber ansonsten keine Regung zeigten. Ich frage mich einfach fehlt euch der Background oder seid ihr echt zu cool geworden, um Spass zu haben? Ihr wisst einen Dreck darüber, worum es im Hardcore geht und es ist einfach ein Trauerspiel.
SETTLE THE SCORE nahmen die Sache dann mit Humor, denn dankt ja nicht, dass sich jemand bei der Hauptband bewegt hätte, und forderten mit etwas Ironie einen Circle Pit und Stagediving. Dies forderte wiederum einen Scherzkeks auf den Plan, der schon den ganzen Abend zeigen musste wie cool er ist, indem er infantile Spässchen machte. Also stieg er auf die Bühne, und setzte zum Sprung richtig Fliesenboden an. Er war dann allerdings auch besoffen genug, um die Sache durchzuziehen, das muss man ihn lassen. Also, diese Intelligenzbestie lässt sich frontal wie ein nasser Sack fallen und bremst seinen Fall erst mit seinem Kinn und fährt dann die Arme aus und hat sich verblüffender Weise keinen Zahn ausgeschlagen. Über solche Aktionen freut sich natürlich jeder Veranstalter und auch Clubs sehen immer gerne Verletzte, lass so eine Scheisse das nächste Mal bitte sein. Ein kurzes Fazit kann ich mir nicht verkneifen, während die Bands und Labels immer professioneller werden, fehlt es dem jungen Fan scheinbar an den essentiellsten Gedanken, die die Grundlage seiner Musik darstellen. Fragt euch doch einfach Mal, wie es wäre, wenn ihr da oben stündet und alle würden blocken. In solchen Situationen sprangen früher die anderen Bands des Abends ein und sorgten für ein Minimum an Respekt, indem man vorne im Publikum stand, aber viele traten einfach die Heimreise an, was ich ihnen nicht verübeln will, aber ich befürchte, wenn das Publikum sich nur beschallen lässt, dann müssen wenigstens die Bands zusammenhalten.

Thomas Eberhardt