Ist eure Coverversion von HÜSKER DÜ - "The girl who lives on heaven
hill" auch als Statement der Toleranz zu verstehen, spielte Grants und
Bobs Homosexualität eine Rolle bei der Auswahl, habt ihr euch darüber
Gedanken gemacht?
Nein, all das spielte überhaupt keine Rolle. Wir
fanden einfach den Songs gut - ich kenne das Stück schon seit 30 Jahren,
also seit dem Erscheinen auf dem Album "new day rising" und weil es sehr
einfach gestrickt ist, lässt es sich sehr gut auch in einem anderen
Soundgewand interpretieren. In diesem Zusammenhang hat uns weder ein
Toleranzgedanke noch irgendwelche Aspekte der Homosexualität der
Originalinterpreten interessiert.
Habt ihr zufällig schon Feedback von Mould oder Hart zur Coverversion
bekommen?
Ja, sehr gute sogar. Grant Hart, der den Song geschrieben hat war sehr
angetan von der Version und auch von dem surrealistischen Video, was
seit 2013 schon bei youtube zu sehen ist. Es war Grant´s Idee, noch
nachträglich eine Vinylsingle zu veröffentlichen, die auch auf seinem
Indielabel in den USA erschienen ist.
Liegt dem Song "The big show" eine wahre Geschichte zugrunde? Werben
große Bands gerne Musiker an, die sie dann auch Tour aufreiben und nimmt
"the big show" dem Ganzen nicht irgendwo auch die Romantik?
/Im Grunde genommen ist das hier und da so. Dem Song liegt als
Inspirationsquelle ein altes amerikanisches Folk-Lied, ein Cowboy-Song
aus dem 19. Jhd. vor, in dem es darum geht, dass ein Viehtreiber-Boss
ein paar Cowboys anheuert, um einen anstrengenden und gefährlichen Job
zu erledigen. Wir haben daraus eine Analogie auf das Musikbiz gemacht,
ohne dass wir oder einzelne von uns jemals auf ähnliche Weise selber
angeheuert worden wären. Dafür sind wir sicher als Musiker nicht gut genug.
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Wie bekommt ihr bei der Menge an Musikern so konsequent eine stimmige
Linie hin? Gibt es eine strikte Spezialisierung innerhalb der Band oder
hat jeder Musiker demokratisches Mitspracherecht?
Es gibt bei The Shanes einfach einen gewissen Rahmen. Die Band hat 1991
angefangen als Folk-Punk/Hardpolka-Band und immer wieder
Country-Elemente, Balkansounds, auch Rock und vergleichbares
aufgegriffen, was sehr gut zusammen passte. Mal liegt der Schwerpunkt
mehr hier, mal mehr dort. Aber es ist klar, dass da keiner ankommen
würde und ein Elektro- oder Metal-Projekt einbringen wollte. Dafür soll
er dann eine neue band gründen. The Shanes sind eine Marke und wir
können und wollen nicht heute dies und morgen das machen, völlig ohne
Linie und Konzept.
Ihr habt 2013 den deutschen Rock & Pop Preis gewonnen, wer hat diesen
denn gestiftet und müsstet ihr da irgendwie aktiv werden?
Der wird ausgerichtet vom Deutschen Rock und Popmusikerverband und man
muss sich dafür bewerben. Das wir den Preis gewonnen haben hat uns aber nicht wirklich zu mehr
Aufmerksamkeit verholfen.
Wie wichtig ist eine solche Wertschätzung für Musiker?
Ach, das ist ganz nett so einen kleinen Oscar im Bandraum stehen zu
haben, aber wie gesagt - gebracht hat es uns eigentlich nichts.
In euren Clips sieht man öfter mal eine Pickelhaube oder ein eisernes
Kreuz. Welche Motivation versteckt sich dahinter?
Das Eiserne Kreuz war immer irgendwie ein Symbol rebellischer Rockmusik
seit den späten 60er Jahren und auch Lemmy von Motörhead hat es oft an
sich getragen in allen Variationen. Da wir in den 90ern mal als "die
Motörhead des Folk" bezeichnet wurden, haben wir es mal in irgendein
Bandlogo intergriert und ich habs mir auch hier und da mal zum Spass an
die Jacke gehängt. Dabei geht es aber nicht um die Verherrlichung
irgendeines Militarismus, sondern vielmehr um die Ad-Absurdum-Führung
des selbigen, so auch das mit der schmucken Pickelhaube.
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Mit "Bite it scum" hattet ihr auf "Squandering Youth" einen GG Allin
Song, also ebenfalls ein Cover aus dem Punk-Bereich, was hat sich
stilistisch seit "Squandering Youth" bei euch getan? Welche
Entwicklungen nehmt ihr wahr?
Eigentlich gibt es da nur den Aspekt, dass bei dem folgenden Album
"Road Worrier" (Achtung Wortspiel) der musikalische Schwerpunkt deutlich
beim Americana und Country lag und weniger bei Balkan, Polka und
ähnlichem. Das wurde noch dadurch unterstrichen, dass bei diesem Album
Matt Dawson in der Band war und mit seiner Steel-Guitar und seiner Dobro
diesen Sound geprägt hat.
Viele Musiker bieten ihre Kunst/ihr Werk zu günstig an, teilweise gibt
es auch keine Berufsmusiker mehr, sondern oft weekend-warriors, die
nicht über Kategorien wie Wert oder Würde nachdenken und für lau
auftreten. Gerade wenn man Martin Luther King's Satz "Every work has
dignity" bedenkt, ist dieses Verhalten doch entwürdigend, oder?
Wie habt ihr dieses Dilemma für euch gelöst, oder sehe ich wieder Geister?
Da sprichst Du ein auch für uns relevantes Thema an. Bei uns gilt aber,
dass wir eigentlich garnichts "für lau" machen. Wir haben ja auch 2
Profimusiker in der Band (der Rest hat reguläre Jobs) und die müssen
bezahlt werden. Jeder von uns soll aber für ein aufwändiges Konzert (oft
lange Anfahrten etc.) zumindest ein bisschen entlohnt werden, dann haben
wir Kosten wie unseren Bandbus, unseren Proberaum, unsere Spesen und
lauter solche Sachen.
Mir ist aber auch klar, dass The Shanes nicht überall so viele Leute
ziehen, dass man als Veranstalter eine angemessene Gage und alle
Nebenkosten (Sound, Unterkunft, Catering und und und) zahlen kann ohne
draufzulegen. Aber dann können wir eben nur bei durch Sponsoren
geförderten Events spielen oder lassen es eben bleiben. Kurz: wir lassen uns da nicht entwürdigen und ganz ohne Geld machen wir
nichts.
1000 Dank für die Mühe Thomas Eberhardt
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